aktuelles: murder on the menu
 
Was machen SBW Englisch Lernbegleiter wenn sie nicht Englisch lernbegleiten? Klar, Theater, englisches Theater.

Der Ort: ein düsterer Saal in der Nähe von Frauenfeld. Das Stück durchsetzt mit Anspielungen auf James Bond, die Speisekarte der Gäste voll von Vorahnungen auf das zu erwartende Geschehen: „Manslaughtered Chicken“ an „Strangled Salad“. Hell erleuchtet jedoch die Bühne, auf der die Gäste einer Dinnerparty vergeblich auf ihre Gastgeberin warten. Denn wie kaum anders zu vermuten, es ist etwas Schreckliches geschehen.

Skurrile Figuren tauchen zu Bond Musik auf: der frisch frisierte Butler James Blond (Luciano Barco), dessen Vornamen sich niemand merken kann oder die giftsprühende Pussy Galore (Pamela Topolcai), die sich mangels einer Brille mit einem Vergrösserungsglas den nötigen Durchblick verschaffen muss. Dazu kommen ein zwielichtiger Casinobesitzer, Ronan Dice (Jeff Allon) und ein adeliger Exzentriker namens Sir Tanley (Tom Webber), der von einem überfahrenen Hund berichtet und als Beweis für den Unfall mit einem kaputten Auto-scheinwerfer herumwedelt. Alle haben etwas zu verbergen und alle haben noch eine Rechnung mit der abwesenden Gastgeberin offen. Das Bild wird immer bunter. Eine Nonne, Sister Donna (Cecilia Lenden-mann), verständigt sich wegen eines Schweigegelübtes von dreissig Jahren oder so nur schriftlich, Hope Prowler (Lori Stormink) zickt, kratzt und versprüht Unverschämtheiten. Zu allem Überfluss erscheinen auch noch zwei Dienstmädchen im Spitzenlook (Sally Ann Barco, Jessica Tapolcai), von denen eine allerdings nur diese seltsam gutturale Sprache der Einheimischen spricht. Kein Wunder, dass sie keiner versteht, ausser vielleicht James, der Butler, der sich bei einem alpenländischen TV-Star namens Turnherr eine gewisse Hör-verstehenskompetenz erworben hat, ohne allerdings selber zu Wort gekommen zu sein. Es folgen Leichen und scheinbare Leichen vor und hinter dem Sofa. Mord, Tod- und Stromschlag wechseln sich ab.

Es bleibt Inspector Willie Solvit (Erik Lindain) überlassen, diesem Wirrwarr an seltsamen Ereignissen eine gewisse Logik zu verleihen. Solvit, der in guter Monty-Python-Manier mit den Resten seines Hundes die Bühne betritt, interessiert sich aber zunächst mehr für den Flederwisch des französischen Dienstmädchens, als für die Lösung seines wie er selber zugibt, seltsamsten Falles seiner Karriere.

Mehr verraten wird nicht. Schliesslich war The Lion in Islington (oder das Gasthaus Löwen in Islikon) dreimal restlos ausverkauft, so dass die Chefin, gute Seele und Produzentin des Unternehmens, Ms Moneypenny (Judy Willi), sich für weitere Aufführungen im Herbst entschied.

Aufführende: The HEADS
Murder on the Menu
Script und Regie: Judy Willi
Licht und Sound: Karlheinz Brunner, Pestalozzi-Kinderdorf Wahlwies.

Thomas Weber